Freitag, 18. Dezember 2009

Neues aus Eurabien

Hallo ihr lieben Leserinnen und Leser,

Da ich mich schon länger nicht mehr gemeldet habe, weil ich wegen meinen Magisterprüfungen etwas im Stress bin, hab ich auch schon wieder ein schlechtes Gewissen Euch gegenüber. Vor allem weil in den letzten Wochen so Vieles passiert ist, über das es sich gelohnt hätte zu schreiben. Ich glaube, vor allem das schweizer Verbot zum Bau von Minaretten hat uns doch alle sehr schockiert und zurecht Anlass für Diskussionen gegeben. Da beschweren wir uns darüber, dass die Türken die Rechte der Christen und Juden in der Türkei einschränken, und die Araber intolerant gegenüber Andersgläubigen sind, aber handeln wir tatsächlich viel besser?

In Europa leben schätzungsweise 15 Millionen Muslime (3% der Bevölkerung), allein 6 Millionen von ihnen in Frankreich und "bereichern" die französische Kultur. In Amsterdam und Brüssel ist für neugeborene Jungen Mohammed der am häufigsten gewählte Name, in England der dritthäufigste.
Und auch die Österreicher sind von der wachsenden Zahl von Muslime nicht unbetroffen. Prognosen besagen, dass im Jahre 2050 die meisten österreichischen Jugendlichen unter 15 Jahren Muslime seien werden.

Unsere Reaktion auf diese Fakten ist Panik. Außerdem stellen wir uns die Frage: Ist unsere Kultur und Religion in Gefahr? Wird Europa bald zu Eurabien?

In Umfragen haben sich vor zwei Wochen 41% der Franzosen gegen den Bau von Moscheen ausgesprochen, 44% der Deutsche gegen Minarette. 55% der Europäer halten den Islam für eine intolerante Religion.

Wenn ich als Muslime diese Umfragewerte lesen würde, würde ich mich zurückgewiesen und verletzt fühlen. Ich hätte das Gefühl, in der Gesellschaft in der ich lebe, nicht willkommen zu sein. Ich würde mich ausgegrenzt fühlen und versuchen mich schützend in ein mir bekanntes Umfeld zurückzuziehen.

Auch wenn ich die europäischen Ängste verstehe, so ist die Reaktion der Europäer kontraproduktiv für jegliche Integration. Ständig beschuldigen wir unsere muslimischen Mitbürger sich nicht zu integrieren. Aber würden wir uns gerne in eine Gesellschaft eingliedern, die uns ablehnt?

Nach den ganzen Fakten aus den Statistiken überlege ich mir nur eines: Wie sollen 3% Muslime irgendwann Europa so übernehmen und beeinflussen, wie wir Europäer und US-Amerikaner es mit Afrika, dem Nahen und Mittleren Osten in der Vergangenheit und Gegenwart getan haben und immer nocht tun?



Mehr zum Thema: Angst vor Eurabien, in: Der Spiegel, Nr. 50, 7.12.2009, S.112-116.